MED Facharztzentrum
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Skelettszintigraphie

16. Mai 2013

Die Skelett- oder Knochenszintigraphie ist ein etabliertes nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren für die Untersuchung des Skelettsystems.

Während bei der klassischen Untersuchungsmethode, der Röntgen-Diagnostik, pathologische Veränderungen rein morphologisch beurteilt werden können, bietet die Skelettszintigraphie die Möglichkeit einer funktionellen Untersuchung. Hierbei können sowohl regionale als auch systemische Knochenumbauprozesse dargestellt werden.

So ergänzen sich die Röntgen-Diagnostik und Skelettszintigraphie in sinnvoller Weise bei verschiedenen klinischen Fragestellungen.


Grundlagen der Skelettszintigraphie:

Das intravenös verabreichte Radiopharmakon, in der Regel ein mit Technetium 99 m markiertes Phosphonat, reichert sich in Abhängigkeit vom Knochenstoffwechsel spezifisch an. Es haftet sich sozusagen oberflächlich an Knochen an, d.h. es wird adsorbiert. Hierbei werden etwa 50 % der verabreichten Substanz unmittelbar über die Nieren ausgeschieden. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei der Untersuchung gewährleistet ist.

Es wird empfohlen, mindestens 1 – 1 ½ Liter Wasser oder andere Flüssigkeiten zu trinken. Hierdurch wird auch die Strahlenbelastung reduziert, da die verabreichte Substanz schneller aus dem Körper eliminiert
wird. Die verabreichte Aktivität beträgt in der Regel ca. 550 MBq, bei Kindern gewichtsbezogen etwa 5 – 7 MBq/kg Körpergewicht. Die Strahlenbelastung beträgt hierbei etwa 4 – 5 mSV (durchschnittliche natürliche Strahlenexposition/Jahr in Deutschland ca. 2 mSV/Jahr).

Knochenmetastasen bei Brustkrebspatientin
Knochenmetastasen bei Brustkrebspatientin

Bei einer Computertomographie fallen in der Regel höhere Strahlenexpositionen an. Die Untersuchung wird durchgeführt mit einer Großfeld-Gammakamera, heutzutage in der Regel mit einer Doppelkopf-Gammakamera, die es gestattet, in einem einzigen Untersuchungsgang den gesamten Patienten sowohl von vorn als auch von hinten gleichzeitig zu erfassen und abzubilden.

Moderne Doppelkopf-Kameras erlauben außerdem neben Einzelaufnahmen auch sogenannte SPECT-Aufnahmen (Single-Photon-Emissionstomographie), wodurch eine dreidimensionale d.h. tomographische Darstellung des Skeletts oder seiner Teile ermöglicht wird. Hierdurch können Überlagerungen z.B. durch Weichteile, Verkalkungen oder Artefakte ausgeschaltet werden. Die Skelettszintigraphie wird je nach Fragestellung als 2- oder 3-Phasen-Szintigraphie durchgeführt.

Nach Injektion des Radiopharmakons in die Vene (allergische Reaktionen sind nicht bekannt) werden Perfusionsoder Durchblutungsaufnahmen durchgeführt. Hierbei kann eine vermehrte arterielle Durchblutung registriert werden. Anschließend erfolgt nach etwa 5 – 10 min. eine Ganzkörper- oder Teilkörper-Frühaufnahme, eine s.g. Blutpool- oder Weichteil-Szintigraphie. Diese erlaubt ebenfalls Aussagen über die Durchblutung des betreffenden Skelettteils. Die Spätaufnahmen erfolgen in der Regel 2 – 3 Std. nach Injektion, in einigen Fällen auch später.

Fraktur des zweiten Lendenwirbelkörpers
Fraktur des zweiten Lendenwirbelkörpers

Die Skelett- oder Knochenszintigraphie ist ein etabliertes nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren für die Untersuchung des Skelettsystems. Hierbei werden sowohl Ganzkörper-Aufnahmen als auch, sofern erforderlich, Teilaufnahmen angefertigt, je nach Fragestellung kann auch eine Tomographie (SPECT) durchgeführt werden, bei der die Kameras um den Patienten rotieren.

Patient mit entzündlichem Rheuma
Patient mit entzündlichem Rheuma

Hierbei ist ein möglichst geringer Abstand der Gamma-Kameras vom Patientenkörper erforderlich, um eine möglichst gute Auflösung zu gewährleisten. Moderne Kamerasysteme erlauben eine automatische Konturerfassung des Patienten und nähern sich automatisch möglichst
nahe dem Patientenköper an.

Die Ganzkörper-Aufnahmen dauern ca. 5 – 7 min., die SPECT-Aufnahmen jeweils ca. 10 – 15 min. Durch moderne Rechnersysteme werden die Aufnahmen digitalisiert und mit verschiedenen Filtern und Glättungsprogrammen bearbeitet, um eine möglichst optimale Abbildung
zu gewährleisten.

Es erfolgt u.a. auch eine quantitative Auswertung, bei der die Speicherintensität mittels ROIs (regions of interest) untersucht wird. Die zusätzlichen Aufnahmen, SPECT-Rotationsaufnahmen und Einzelbilder führen zu keiner zusätzlichen Strahlenexposition und sind mit geringem zeitlichen Mehraufwand durchführbar.

So gelingt eine präzise und überlagerungsfreie Darstellung der Wirbelsäule, des Beckens, der Hüft- oder der Kniegelenke. Der Patient braucht bei der Untersuchung nicht nüchtern sein.


Fragestellungen und Ergebnisse:

Entzündliche Skelett- und Gelenkerkrankungen

Diese stellen mittlerweile einen beträchtlichen Anteil der mittels Skelettszintigraphie untersuchten Patienten dar. Hierbei können sowohl rheumatische als auch nichtrheumatische entzündliche Erkrankungen des Skeletts abgeklärt werden und eine spezifische Aussage über die Aktivität des Prozesses getroffen werden. Hierbei kann sowohl die entzündliche Aktivität in der Frühphase als Zeichen eines floriden entzündlichen Prozesses beurteilt werden, als auch die Aktivität des Knochenstoffwechsels in der Spätphase. So kann der Befall verschiedene Gelenke und Ausdehnung erfasst werden.

Der Rheumatologe oder Orthopäde erhält somit wichtige Informationen über die Aktivität und das Ausmaß von rheumatischen und nicht rheumatischen Skeletterkrankungen. Auch andere Entzündungen des Skeletts (Osteomyelitis, Spondylodiszitis, Tuberkulose, Knochenabszess etc.) können beurteilt werden. 

Untersuchungsaufnahme

Primäre und sekundäre Knochentumoren

Ergibt sich klinisch und im Röntgenbild der V.a. einen Knochentumor, wird anschließend eine Skelettszintigraphie durchgeführt. Eine erhöhte arterielle Perfusion und hochgradig erhöhte Knochenstoffwechselaktivität können
dann hinweisend auf einen bösartigen Tumor sein wie z.B. Osteo- bzw. Chondrosarkom.

Gutartige Tumoren zeigen hingegen in der Regel eine schwache Perfusion. Differentialdiagnostisch kommen u.a. ein Osteoidosteom, ein Morbus Paget etc. in Betracht. Im Rahmen der Nachsorge bei bösartigen Grunderkrankungen bietet die Skelettszintigraphie eine hervorragende
Möglichkeit, nach Metastasen zu suchen. Diese können häufig Monate früher festgestellt werden als im Röntgenbild, ebenso auch beim Prostata-Karzinom, hier teilweise Jahre früher. Weitere bösartige Erkrankungen wie Magen- und Darm-Karzinome, Nieren-Karzinome, Bronchial-Karzinome und Melanome neigen ebenfalls zu einer Metastasierung in das Skelett und können entsprechend abgeklärt werden.


Degenerative Veränderungen

In Abhängigkeit vom Schweregrad und der Aktivität einer Arthrose zeigt das entsprechende Gelenk eine mehr oder weniger gesteigerte Knochenstoffwechselaktivität, bei aktivierter Arthrose auch eine vermehrte Durchblutung.

Die Aktivität der Arthrose ist häufig entscheidend für die Indikation zu einem operativen Eingriff bzw. Gelenkersatz, insbesondere Knie- und Hüftgelenke.


Beurteilung von Prothesen

Nach Implantation von Knie- oder Hüftgelenkprothesen erlaubt die Skelettszintigraphie eine Aussage über die Abheilung oder bei persistierenden Beschwerden über eine mögliche Prothesenlockerung mit/ohne Entzündung. In diesen Fällen liefern insbesondere die 3-Phasen-
Szintigraphie und die SPECT-Untersuchung verlässliche Ergebnisse.

 

Frakturen und traumatische Veränderungen

In der Regel geht eine Röntgenuntersuchung voraus. Manche Frakturen sind jedoch im Röntgenbild schwierig zu erkennen, dies betrifft insbesondere Beckenfrakturen, Rippen, die Handwurzelregion oder häufig auch Wirbelfrakturen bei Osteoporose oder nach Trauma.

Hier erlaubt die Skelettszintigraphie eine Aussage über die Lokalisation und das Alter der Frakturen, was u.a. für die Behandlung der Osteoporose von großer Wichtigkeit ist. Auch bei Unfällen ist häufig das Alter der Fraktur von Relevanz.

fotolia © ag visuell
fotolia © ag visuell

Weitere Einsatzmöglichkeiten:

Osteonekrosen, insbesondere die Hüftkopfnekrose des Erwachsenen oder des Kindes, generalisierte Skeletterkrankungen wie Hyperparathyreoidismus, Osteoporose und Osteomalazie zeigen ebenfalls charakteristische Veränderungen in der Knochenszintigraphie.

Bei Morbus Sudeck zeigt die Szintigraphie insbesondere in frühen Stadien eine hochgradig erhöhte Perfusion sowie diffus gesteigerte Knochenstoffwechselaktivität.

Bei Morbus Paget zeigt der betreffende Skelettabschnitt ebenfalls einen hochgradig gesteigerten Knochenstoffwechsel. Hier bietet die Skelettszintigraphie die Möglichkeit, im weiteren Verlauf den Therapieerfolg zu beurteilen.

Zusammenfassend bietet die Skelettszintigraphie die Möglichkeit, bei den genannten Fragestellungen einzelne Skelettabschnitte oder das gesamte Skelettsystem risikofrei und präzise zu beurteilen.

Das Verfahren ist seit vielen Jahren etabliert. Im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit mit vielen Fachgebieten wie der Rheumatologie, Endokrinologie, Gastroenterologie oder Orthopädie und Onkologie kann die individuelle Situation des Patienten innerhalb kurzer Zeit
erfasst werden.

Innerhalb des MED-Ärztehauses liegen die Aufnahmen bereits am Untersuchungstag dem jeweiligen Facharzt vor. Hierdurch wird eine effektive integrierte Versorgung der Patienten gewährleistet.

Dr. Georg VancuraAutor:

Dr. Georg Vancura
Facharzt für Nuklearmedizin

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