MED Facharztzentrum
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Die weißen Blutkörperchen – Körperpolizei in Alarmbereitschaft

05. Dez 2011

Die weißen Blutkörperchen – auch Leukozyten genannt – gehören zum Immunsystem und übernehmen eine lebenswichtige Aufgabe: Sie schützen den Körper vor fremden Stoffen und schädlichen Substanzen.

Eindringlinge wie Viren, Bakterien, Pilze oder Würmer werden von ihnen ebenso bekämpft wie Tumorzellen oder Toxine. Gebildet werden
die Leukozyten wie die anderen Blutzellen beim erwachsenen Menschen
im Knochenmark.

Da der Körper sich gegen vielfältige Erreger schützen muss, sind die weißen Blutkörperchen nicht alle gleich. Vielmehr setzen die Leukozyten sich aus vielen Untergruppen zusammen, die unterschiedliche Aufgaben bei der Bekämpfung der Erreger haben. So richten sich z. B. die sogenannten Granulozyten besonders gegen Bakterien, während die Lymphozyten sich besonders mit Viren auseinandersetzen.

Unterscheiden kann man die einzelnen Untergruppen anhand ihres Aussehens. Bei einem sogenannten Differentialblutbild – häufig auch großes Blutbild genannt – werden die Untergruppen der weißen Blutgruppen differenziert. Neben der absoluten Zahl der weißen Blutkörperchen ist also die Zusammensetzung der Leukozyten entscheidend.

Diese Differenzierung geschieht im Labor entweder mit Hilfe einer Maschine oder indem ein Bluttropfen auf einem Objektträger ausgestrichen wird. Anschließend werden die Zellen gefärbt und unter dem Mikroskop von einem Experten begutachtet. Häufig kann der Hämatologe anhand der Anzahl der weißen Blutkörperchen und nach dem Blick in das Mikroskop zur Beurteilung des Diffentialblutbildes eine Bluterkrankung direkt erkennen. Viele Patienten kommen in unsere Praxis, da ihr Hausarzt zu hohe oder zu niedrige Leukozytenwerte gemessen hat – oder bei normalen Leukozytenwerten eine auffällige Verteilung im Differentialblut vorliegt. Zu viele Leukozyten – insbesondere Granuloyzten – deuten auf eine bakterielle
Entzündung hin. Gerne findet man eine solche granulozytäre Leukozytose aber auch bei rheumatischen Erkrankungen oder bei Rauchern!

Zu wenige Leukozyten können durch einen Substratmangel (Vitamin B12,
Folsäure, Eisen) oder eine akute Virusinfektion bedingt sein. Ergibt sich keine Erklärung für die Veränderungen im weißen Blutbild durch eine andere Erkrankung, so begibt sich der Hämatologe auf die Suche nach einer Bluterkrankung. Diese kann gelegentlich alleine durch den Blick in das Mikroskop auf das Diffentialblutbild gestellt werden. Häufig werden jedoch weiterführende Untersuchungen wie spezielle Labormethoden oder eine Knochenmarkpunktion nötig. Hierbei wird der Beckenknochen nach einer örtlichen Betäubung punktiert und das Knochenmarkblut für vielfältige Untersuchungen gewonnen.

Diese Untersuchung kann ambulant bei einem Hämatologen durchgeführt werden. Eine bösartige Ursache als Grund der Vermehrung der weißen Blutkörperchen wird Leukämie genannt. Hier gibt es verschiedene Untergruppen. Manche davon müssen sofort mit einer intensiven Chemotherapie im Krankenhaus behandelt werden. Ein Großteil der Leukämien hat jedoch einen chronischen Verlauf und wird ambulant behandelt oder im Fall der chronischen lymphatischen Leukämie bei fehlenden Beschwerden gar nur beobachtet.

Die Bandbreite der Veränderungen der weißen Blutkörperchen ist also sehr groß. Die Therapie kann von einer Vitamin B12-Spritze bis zu einer Chemotherapie reichen!


Autorin:

Dr. Ute Kreiter Dr. Ute Kreiter
Fachärztin für Hämatologie und Onkologie

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