MED Facharztzentrum
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Warum sterben Männer früher als Frauen?

17. Aug 2011

Die Sterblichkeit der Menschen ist im letzten Jahrhundert deutlich zurückgegangen, die Menschen werden älter. Interessant ist, dass Männer im Durchschnitt 7 Jahre früher als Frauen versterben. Woran liegt dies?

Hier kommen zum einen die zunehmende Industrialisierung, aber auch biologische und genetische Faktoren zum Tragen. Nach Professor Eickenberg, Chef der urologischen Klinik in Bielefeld, wird der Mann als „Wegwerfgeschlecht“ bezeichnet. Durch Förderung der Forschung in männerbezogenen Gesundheitsthemen soll diesem Trend entgegen gewirkt werden.

In dieser Tabelle werden einige der Haupttodesursachen aufgezeigt und die Todesraten nach Männern und Frauen aufgeschlüsselt.
In dieser Tabelle werden einige der Haupttodesursachen aufgezeigt und die Todesraten nach Männern und Frauen aufgeschlüsselt.

Der biologische Faktor allein kann diese erhöhte Sterblichkeit nicht erklären. Es gibt Länder, in denen Männer deutlich älter werden als Frauen (z. B. Bangladesch), während in Harlem die Frauen viel älter werden als Männer. 


Der Industrialisierungsfaktor ist sicherlich sehr wichtig.

Durch die zunehmende Industrialisierung haben die Männer wegen ihrer Arbeit einen großen Teil ihrer Zeit außerhalb der Familie zu verbringen.

Heute hat ein 65-jähriger, verheirateter Mann noch eine Lebenserwartung von 17 Jahren, als Witwer oder Geschiedener nur noch von 10 Jahren. Bei Frauen mit 65 Jahren bleibt die verbleibende Lebenserwartung – egal, ob geschieden oder verheiratet – mit 21 Jahren gleich.

Es scheint so zu sein, dass Männer den Stress, getrennt von der Familie zu sein, weniger gut verarbeiten können als Frauen, die die dreifache Belastung von Job, Kindern, Hausarbeit wohl besser balancieren können. Im Kleinkindalter ist die Sterblichkeit von Jungen und Mädchen etwa identisch, zwischen 15 und 24 Jahren steigt die Todesrate bei Männern deutlich an.

Dies liegt daran, dass die „Männerrolle“ gefährlicher ist: Wenn Männer z. B. versuchen, ihre Frauen zu verteidigen, ist dies nicht nur körperlich gefährlich, sondern führt auch zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen.

Wenn Männer untereinander sind, ist das „Rivalisieren“ vermehrt im Vordergrund, während bei Frauen die gegenseitige Unterstützung vorherrscht.


Wie kann diesem Trend entgegen gewirkt werden?

Männerforschung in der Medizin muss vermehrt vorangetrieben werden. Während die Sterblichkeit an Brustkrebs bei Frauen in den letzten 10 Jahren auf den Stand von 1950 gesunken ist, ist dies beim Prostatakarzinom
noch nicht der Fall, obwohl hier ein Screening mittels PSA-Wert möglich ist. Das Mamma-Karzinom-Screening erfolgt aufgrund einer gesetzlichen Bestimmung, das PSA-Screening nicht.

Die Rolle des Mannes in der Gesellschaft muss eine vermehrte Gleichberechtigung erfahren. Männer müssen lernen, häufi ger in die familiären Pflichten eingebunden zu werden. Frauen sollen ja vermehrt Führungspositionen übernehmen, dadurch wird der Druck auf Männer
sinken.

Adäquate Stressbewältigung muss bei Männern auch in Betrieben vorangetrieben werden. Dadurch wird es auch zu einer Senkung der Häufi gkeit an Herzkranzgefäßerkrankungen kommen.


Neben Hormonen spielt auch die Selbstwahrnehmung eine wichtige Rolle

Das Testosteron ist sicherlich eine der Hauptantriebsfedern männlichen Verhaltens. Ein Nachlassen der Testosteronsekretion hat viele negative Auswirkungen für Männer zur Folge.

Während das Ausbleiben der Periode ein biologisches Signal ist, das den Frauen klar macht, ihren Frauenarzt zu besuchen, ist dies bei Männern subtiler und erfordert einen eigenen Antrieb, hier zum Arzt zu gehen. Auch Depressionen und Suizidgedanken, unter denen Männer häufig leiden, wird zu selten eine umfassende Bedeutung beigemessen, so dass Männer viel häufi ger und schneller zu Suizidopfern werden als Frauen. Spezielle Hypophysentumoren werden bei Männern im Mittel ca. 10fach so groß wie bei Frauen, da diese schon bei subtilen Hormonveränderungen zum Arzt gehen, während Männer so lange warten, bis Sehstörungen oder Blindheit auftreten.

Die Urologen, aber auch Fachärztinnen/Fachärzte für Endokrinologie beschäftigen sich mit den Hormon-Ups & -Downs von Männern und sind die natürlichen Ansprechpartner für die Männergesundheit.

Wie sang schon Herbert Grönemeyer: „Männer sind so verletzlich – Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich“.

Wir wollen doch, dass dies so bleibt, oder?


Autor:
Prof. Dr. Christian WüsterProf. Dr. Christian Wüster

Facharzt für Innere Medizin/Endokrinologie
und Diabetologie, Osteologe DVO

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