MED Facharztzentrum
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Vorhofflimmern

03. Jun 2026

Eine Herzrhythmusstörung, die Schlaganfälle auslösen kann

Frau Keller hat das Gefühl, dass das Herz zu schnell und unregelmäßig schlägt.

Bei der Blutdruckmessung gibt das Gerät einen Puls von 140/min an, obwohl sie sich gar nicht belastet. Außerdem leuchtet das Warnzeichen für Herzrhythmusstörungen auf. Sie hat Druck auf der Brust und kommt beim Treppensteigen und Bergangehen leicht außer Atem.

Sie ist zum Hausarzt gegangen, der ein EKG geschrieben und sie daraufhin eilig in die CardioPraxis überwiesen hat. Er meint, dass Vorhofflimmern besteht und ein Schlaganfall droht. Deswegen hat er einen Blutverdünner verschrieben.

Vorhofflimmern, was ist das?

Das Herz schlägt normalerweise regelmäßig und in Ruhe mit einer Frequenz zwischen 50 und 100 Schlägen in der Minute. Dafür sorgt der Taktgeber, der sogenannte Sinusknoten. Er sendet elektrische Impulse aus, die sich über alle Herzmuskelzellen ausbreiten.

Wenn der Strom die Zellen erreicht, ist es für sie ein Signal, dass sie sich zusammenziehen müssen. Zuerst werden auf diese Weise die Vorhöfe aktiviert und wenn diese ihr Blut an die Kammern geliefert haben, bekommen die Kammern das Signal, zu pumpen.

Beim Vorhofflimmern ist der Sinusknoten außer Kraft gesetzt. Stattdessen kreist elektrische Erregung chaotisch im Vorhof.

Das hat zwei Folgen: Zum einen führt es dazu, dass die Hauptkammern unregelmäßig und zu schnell elektrische Signale übermittelt bekommen. Es entsteht eine sogenannte absolute Arrhythmie. Zum anderen wird das Blut in den Vorhöfen weniger bewegt und durchmischt, so dass sich Gerinnsel bilden können.

Die gefürchtete Komplikation beim Vorhofflimmern ist der Schlaganfall

Die Blutgerinnsel im Vorhof stellen die eigentliche Gefahr der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern dar: Sie können mit dem Herzschlag in die Blutbahn gespült werden und nehmen dann eine der ersten Abzweigungen aus der Hauptschlagader, die zum Gehirn führen. Dort können die Gerinnsel im Gefäß steckenbleiben, was einen Stopp der Blutversorgung bedingt. Die Gehirnzellen sterben wegen Sauerstoffmangel ab und der Patient entwickelt Ausfälle wie halbseitige Lähmung, Sprach- und Sehstörungen.

Diese Komplikation wird Schlaganfall genannt, in der Sprache der Mediziner Apoplex. Wenn ein kompletter Schlaganfall mit Untergang der Gehirnzellen eingetreten ist, sind die Ausfälle irreversibel, das heißt, dass der Betroffene für den Rest des Lebens unter Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen leiden wird.

Was passiert bei Vorhofflimmern? Signalübertragung im Sinusrhythmus und bei Vorhofflimmern im Vergleich
Was passiert bei Vorhofflimmern? Signalübertragung im Sinusrhythmus und bei Vorhofflimmern im Vergleich

Wie können wir Schlaganfälle bei Vorhofflimmern verhindern?

Zur Verhinderung von Schlaganfällen muss die Gerinnselbildung mit Medikamenten unterbunden werden. Notwendig ist das auf Dauer aber nicht bei allen Patienten mit Vorhofflimmern, sondern nur bei denen, die ein Ergebnis von 2 oder mehr Punkten im Risikorechner CHA2DS2-Va-Score aufweisen.

Die Medikamente müssen regelmäßig eingenommen werden und es sind Laborkontrollen mindestens einmal jährlich notwendig, um sicherzustellen, dass sie gut vertragen werden.

Es gibt verschiedene Medikamente, die Vor- und Nachteile haben. Der behandelnde Arzt kann mit Ihnen zusammen das für Sie am besten geeignete Medikament aussuchen. Alternativ kann bei Unverträglichkeit von Blutverdünnern das Vorhofohr, in dem sich die Gerinnsel meistens bilden, mit einem Stöpsel verschlossen werden. Diese Methode ist aber nicht so gut wirksam und deswegen wenigen Einzelfällen vorbehalten.

Was kann man gegen den schnellen und unregelmäßigen Puls und die reduzierte Leistungsfähigkeit tun?

Mit einem Elektroschock unter Narkose (=elektrische Kardioversion) kann das Vorhofflimmern beendet und der normale Sinusrhythmus wieder hergestellt werden.

Allerdings tritt in vielen Fällen nach einiger Zeit die Rhythmusstörung erneut auf. Um dies zu verhindern, können Medikamente oder eine Verödungstherapie (=Ablation) zum dauerhaften Rhythmuserhalt eingesetzt werden.

Mit Rhythmusmedikamenten (=Antiarrhythmika: Flecainid, Propafenon, Amiodaron) kann man den Sinusrhythmus langfristig stabilisieren, Nachteil sind aber manchmal Nebenwirkungen.

Die Ablation ist ein Eingriff mit Elektrokathetern, bei dem die Zellen im Herz verödet werden, die Vorhofflimmern auslösen. Sie erfordert einen kurzen Krankenhausaufenthalt und ist in ca. 70% der Fälle erfolgreich. Wenn man es weder mit Antiarrhythmika noch mit der Ablation schafft, das Vorhofflimmern auszuschalten, kann man die Überleitung zwischen Vorhof und Kammer medikamentös verlangsamen.

Dann sinkt der Puls trotz des Vorhofflimmerns in den Normbereich und die Leistungsfähigkeit verbessert sich.

Abbildung: Je mehr Punkte im CHA2DS2-Va-Score, desto höher ist das Risiko für Schlaganfälle. Bei 0 Punkten liegt das Risiko bei nur 0,2%, wenn alle 8 Punkte erfüllt sind, hat man ein jährliches Risiko von über 12% für das Auftreten eines Schlaganfalls.
Abbildung: Je mehr Punkte im CHA2DS2-Va-Score, desto höher ist das Risiko für Schlaganfälle. Bei 0 Punkten liegt das Risiko bei nur 0,2%, wenn alle 8 Punkte erfüllt sind, hat man ein jährliches Risiko von über 12% für das Auftreten eines Schlaganfalls.
Schlaganfall als Folge von Vorhofflimmern: Ein ischämischer Schlaganfall (ischämisch = durch Minderdurchblutung bedingt) kann als Folge von Vorhofflimmern entstehen: Durch das unregelmäßige Flimmern im Herzen bilden sich Blutgerinnsel (Thromben), die in die Blutbahn gelangen und in Richtung Gehirn transportiert werden. Dort können sie ein Gefäß verstopfen (Embolus) und den Blutfluss unterbrechen. Der betroffene Hirnbereich wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt – Gehirngewebe kann dadurch geschädigt werden.
Schlaganfall als Folge von Vorhofflimmern: Ein ischämischer Schlaganfall (ischämisch = durch Minderdurchblutung bedingt) kann als Folge von Vorhofflimmern entstehen: Durch das unregelmäßige Flimmern im Herzen bilden sich Blutgerinnsel (Thromben), die in die Blutbahn gelangen und in Richtung Gehirn transportiert werden. Dort können sie ein Gefäß verstopfen (Embolus) und den Blutfluss unterbrechen. Der betroffene Hirnbereich wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt – Gehirngewebe kann dadurch geschädigt werden.

Und wie geht es mit Frau Keller weiter?

Frau Keller wird in die Klinik eingewiesen, um den Rhythmus durch eine elektrische Kardioversion zu normalisieren. Sie kann am selben Tag mit normalem Sinusrhythmus entlassen werden und fühlt sich wieder gut.

Weil sie keinen Punkt im CHA2DS2-Va-Score hat, kann sie die Blutverdünnung nach wenigen Wochen wieder absetzen. Die Ärzte haben mit ihr besprochen, dass bei erneutem Auftreten von Vorhofflimmern eine Ablationsbehandlung am besten wäre, um langfristig den Sinusrhythmus zu stabilisieren. Es kann aber auch sein, dass nie mehr Vorhofflimmern auftritt.

Fürs Erste ist Frau Keller wieder leistungsfähig und kann nun ganz normal weiterleben.

Dr. Alexander Hauber
Dr. med. Alexander Hauber

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

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