MED Facharztzentrum
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Sauerstofflangzeittherapie: Was bedeutet das – wann ist sie sinnvoll?

03. Feb 2011

Die Indikation zu einer Langzeitsauerstofftherapie (LTOT=long term oxygen therapy) zu stellen ist ein einschneidendes Ereignis für den Patienten/die Patientin.

Es betrifft in der Regel Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen,
welche zu einem chronischen Sauerstoffmangel und dadurch zu einer stark verminderten Lebensqualität und Leistungsfähigkeit führen. Die Therapie wird dann erforderlich, wenn alle medikamentösen Maßnahmen ausgeschöpft sind und trotzdem ein pO2 mehrfach von unter 55-60mmHg nachgewiesen wurde.

Aber auch ein reiner Sauerstoffabfall unter Belastung oder nachts kann
eine Indikation darstellen. Die Bestimmung erfolgt über eine Blutgasanalyse
aus dem kapillären Blut am Ohrläppchen oder aus einer Arterie. 

Kapilläre Blutgasbestimmung aus dem Ohrläppchen
Kapilläre Blutgasbestimmung aus dem Ohrläppchen

Welchen Nutzen hat der Patient?

Bei der COPD (Chronisch obstruktiven Lungenerkrankung) mit Lungenemphysem kommt es im fortgeschrittenen Stadium zu einem
Sauerstoffabfall mit Kohlendioxidanstieg. Diese Patienten profitieren
von der LTOT sowohl durch eine Linderung der Beschwerden als auch mit einer verbesserten Lebenserwartung.

Auch Patienten mit selteneren Erkrankungen wie mit der Lungengerüsterkrankung Lungenfibrose oder Patienten mit zystischer Fibrose (Mucoviszidose) und mit schweren neuromuskulären und Thoraxwanderkrankungen, bekommen häufig eine  Langzeitsauerstofftherapie manchmal in Kombination mit einer nicht-invasiven Beatmung. Aber auch bei einer schweren Herzinsuffizienz oder pulmonalen Hypertonie gehört die LTO-Therapie neben der medikamentösen Therapie zu den Therapieoptionen.

Sauerstoff ist ein Medikament, es muss individuell dosiert werden, man kann zuviel oder zuwenig davon haben, beides könnte gefährlich sein.
Durch eine individuelle Einstellung anhand von Blutgasanalysen wird
die individuelle Sauerstoffdosis festgelegt.

Wir atmen in der Atemluft 21% Sauerstoffanteil. Meist wird über Nasenbrillen bis zu 100%-iger Sauerstoff zugeführt. Es gibt verschiedene
Systeme: Stationäre Geräte wie der Sauerstoffkonzentrator sind schwere,
große Geräte und stehen an einem Platz in der Wohnung und mit einem langen Schlauch ist der Patient in einem gewissen Radius mobil. Das Gerät
„konzentriert“ den Sauerstoff aus der Raumluft und wird über Strom betrieben. Flüssig-Sauerstoff-Systeme oder Sauerstoff-Druckflaschen ermöglichen eine Mobilität außerhalb der Wohnung, sogenannte „Demand-Systeme“ setzten den Sauerstoff nur beim Einatmen frei und sind somit sparsamer.

Dr. Semmler zeigt mit Arzthelferin Frau Brittner, wie eine Einstellung auf eine Sauerstofflangzeittherapie erfolgt. Unter langsam steigenden Sauerstoffdosierungen wird mittels Blutgasanalyse die individuelle Therapiedosis ermittelt. Neben Dr. Semmler steht ein Sauerstoffkonzentrator, der über eine Nasenbrille Sauerstoff zuführt.
Dr. Semmler zeigt mit Arzthelferin Frau Brittner, wie eine Einstellung auf eine Sauerstofflangzeittherapie erfolgt. Unter langsam steigenden Sauerstoffdosierungen wird mittels Blutgasanalyse die individuelle Therapiedosis ermittelt. Neben Dr. Semmler steht ein Sauerstoffkonzentrator, der über eine Nasenbrille Sauerstoff zuführt.

Letztere beiden Systeme sind aufwändiger und teurer, da sie regelmäßig
befüllt werden müssen. Die Mindestdauer der Therapie sollte 12-16 Stunden in 24 Stunden betragen.

Optimalerweise wird es die LTOT die ganze Nacht angewandt, so dass am
Tag „freie Stunden“ möglich sind. Bestimmte Erkrankungen erfordern eine 24-stündige Anwendung.

Gibt es Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen einer Sauerstofflangzeitterapie ist z.B. ein Austrocknen
der Nasenschleimhaut, insbesondere bei Flussraten über 2 Liter/Minute. Ein dann vorgeschalteter Befeuchter muss sorgfältig gepflegt werden, da das Wasser darin von Bakterien oder Pilzen besiedelt werden und zur Infektionsquelle werden könnte.

Die Dosis sollte nicht eigenwillig erhöht werden, da es bei Patienten mit stärker erhöhten Kohlendioxidwerten zur CO2-Narkose mit vermindertem Atemantrieb kommen könnte.

Was ist sonst zu beachten?

Patienten, die dauerhaft Sauerstoff benötigen, sollten vor einer Flugreise
unbedingt Rücksprache mit ihrem/ihrer behandelnden Arzt/Ärztin halten. Möglicherweise ist eine Sauerstoffversorgung während des Fluges notwendig, was bei vielen Fluggesellschaften möglich ist, aber bei der Buchung unbedingt geordert werden muss.

In der Pneumologischen Gemeinschaftspraxis in der MED werden Einstellungen auf Sauerstofflangzeittherapie durchgeführt (www.pneumologische-praxis-mainz.de).


Fazit:

Mit der Langzeitsauerstofftherapie ist für viele Erkrankungen eine Verbesserung der Lebensqualität und Verlängerung der Lebenserwartung
nachgewiesen. Die Atemnot wird subjektiv deutlich dadurch gelindert.


Autorin:

Dr. Dagmar Gillmann-BlumDr. Dagmar Gillmann-Blum
Lungenfachärztin


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