MED Facharztzentrum
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Pradaxa (Wirkstoff Dagibatran)

19. Mär 2012

Seit September ist nun „Pradaxa®“ (Wirkstoff Dagibatran) und seit Ende 2011 „Xarelto®“ (Rivaroxaban) in Deutschland zugelassen. Das sind beides neuartige „Gerinnungshemmer“.

Bei Frau Keller, 76 Jahre, wurde eine Check up Untersuchung durchgeführt. Im EKG zeigt sich Vorhofflimmern, welches bis jetzt nicht bekannt war. Frau Keller wird zu Dr. Speth-Nitschke und Dr. Angelika Guth von der Cardiopraxis Mainz und Ingelheim überwiesen.

Dr. Speth-Nitschke:

Frau Keller, bei Ihnen sind im EKG Herzrhythmusstörungen aufgefallen. Haben Sie irgendwelche Beschwerden?

Frau Keller:

Nein, eigentlich nicht. Ich merke höchstens, dass ich beim Treppensteigen etwas schneller aus der Puste bin. Diese Beschwerden habe ich schon seit etwa einem Jahr. Ansonsten geht es mir gut. Ich hatte noch nie Probleme mit dem Herzen. Der Herzultraschall und das Belastungs-EKG waren auch unauffällig.

Dr. Speth-Nitschke:

An sich ist das Vorhofflimmern keine bösartige Herzrhythmusstörung. Gefährlich am Vorhofflimmern ist aber das erhöhte Schlaganfallrisiko. Im Herzvorhof können sich nämlich Blutgerinnsel bilden. Diese können dann vom Blutstrom mitgerissen werden und kleine Gefäße, z.B. im Gehirn, verschließen. So entsteht ein Schlaganfall. Das Risiko für eine solche Blutgerinnselbildung steigt mit zunehmendem Lebensalter. Es ist bei Frauen höher als bei Männern. Außerdem steigt das Risiko, wenn gleichzeitig Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herzkranzgefäßverkalkung oder Herzschwäche vorliegen.

Frau Keller:

Das verstehe ich, einen Schlaganfall möchte ich auf keinen Fall bekommen. Welche Medikamente können dem entgegen wirken?

Dr. Guth:

Tatsächlich kam bis September 2011 bei Patienten mit 2 oder mehr Risikofaktoren eigentlich nur das Marcumar in Frage. Marcumar ist ein sehr lange zugelassenes, effektives und zudem preisgünstiges Medikament. Es hemmt die Blutgerinnung, indem es die Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren hemmt und wird in Tablettenform eingenommen. Die Dosierung des Marcumars wird durch die Bestimmung des INR-Wertes im Blut festgelegt.

Deshalb sind regelmäßige Blutentnahmen notwendig, um die genaue Dosierung festzulegen. Dies bedeutet zum Vorteil für den Patienten, dass man genau weiß, ob das Marcumar richtig dosiert ist. Nachteilig sind jedoch die häufigen Blutentnahmen. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Wirksamkeit des Marcumars stark durch bestimmte Nahrungsmittel wie Kohlgemüse, Salat etc. beeinflusst wird.

Bei wenigen Patienten, die keine Risikofaktoren haben, steht alternativ auch ASS (oder Aspirin) zur Verfügung. Für Sie, Frau Keller, kommt das allerdings schon wegen Ihres Alters nicht in Frage.

Seit September ist nun „Pradaxa®“ (Wirkstoff Dagibatran) und seit Ende 2011 „Xarelto®“ (Rivaroxaban) in Deutschland zugelassen. Das sind beides neuartige „Gerinnungshemmer“. Degibatran hemmt direkt den Gerinnungsfaktor Thrombin, Rivaroxaban hemmt den Faktor Xa (einen anderen Gerinnungsfaktor). Daher sind die Wirkungen der Medikamente nicht durch unser Essen beeinflussbar. Beides wird in Tablettenform eingenommen, Pradaxa zweimal täglich, Xarelto einmal täglich. Beide Medikamente sind eine echte Alternative zum Marcumar. Die Vermeidung von Schlaganfällen gelingt mindestens genauso gut wie mit Marcumar bei leichterer Anwendbarkeit. Im praktischen Alltag liegen noch keine langjährigen Erfahrungen vor. Bei jedem der Medikamente müssen bestimmte Einschränkungen individuell wie zum Beispiel Nierenfunktionsstörungen, Begleitmedikamente, Herzklappenfehler etc. berücksichtigt werden.

Dr. Speth Nitschke:

Welcher „Blutverdünner“ bei welchem Patienten mit Vorhofflimmern am besten einzusetzen ist, muss Ihr Arzt ganz individuell auf Ihre Person bezogen, mit Ihnen gemeinsam entscheiden.

Autorinnen:

Dr. Michaela Speth-NitschkeDr. Michaela Speth-Nitschke, Fachärztin für Innere Medizin/ Kardiologie


Dr. Angelika GuthDr. Angelika Guth, MBA Fachärztin für Innere Medizin/Kardiologie, Notfallmedizin, Gesundheitsökonomin

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