MED Facharztzentrum
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„Mein Leben nach Hashimoto“ - Versorgung von Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion

03. Feb 2011

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse gehören zu den Volkskrankheiten, etwa 10 % der Frauen und 2 % der Männer leiden an einer so genannten Hashimoto-Thyreoiditis.

Im Rahmen einer solchen Autoimmunerkrankung der Schilddrüse kann sich eine Unter-(Hashimoto) oder Überfunktion (Basedow) entwickeln. 10 % der Gesamtbevölkerung haben erhöhte Schilddrüsen-Autoantikörper im Blut nachweisbar. 7,5 % der Menschen in der Bundesrepublik haben erhöhte TSH-Werte und somit eine latente Unterfunktion.

Eine Schilddrüsenautoimmunerkrankung entwickelt sich primär durch eine Störung des Immunsystems. Ursache hierfür ist eine genetische Prädisposition im Zusammenwirken mit zusätzlichen Faktoren, wie z. B. virale Infektionen, Jod in extrem hohen Dosen, Selenmangel, Sexualhormone oder vor allem auch negativer Stress.

Hashimoto-Thyreoiditis
Hashimoto-Thyreoiditis

Patienten mit Schilddrüsenautoimmunerkrankungen können zusätzlich auch andere Autoimmunerkrankungen, wie z. B. eine perniziöse Anämie, Typ I Diabetes mellitus, Immunhepatitis oder rheumatoide Arthritis entwickeln können. Autoimmunerkrankungen sind daher ein Paradebeispiel für die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener internistischer Fachdisziplinen, wie sie im MED Facharztzentrum vorhanden sind.

Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Die empfindlichste Methode eine Schilddrüsenautoimmunerkrankung zu erkennen ist die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse. Als Screening beim Hausarzt wird eine Bestimmung des TSH durchgeführt. Nicht alle Patienten mit typischen Veränderungen im Ultraschall oder erhöhten SD-Antikörpern entwickeln auch eine Unterfunktion. Die Diagnose ist von daher den Spezialisten vorbehalten. Diese arbeiten im MED Facharztzentrum in der Praxis für Endokrinologie und der Praxis für Nuklearmedizin.

Eine kausale Therapie der Schilddrüsenautoimmunerkrankung ist nicht bekannt. Funktionsstörungen wie Über- oder Unterfunktion müssen entsprechend behandelt werden. Eine Behandlung mit Selen wird propagiert, ist aber eher von nachrangiger Bedeutung. In Einzelfällen kann eine Psychotherapie notwendig sein, um den negativen Stress auszuschalten. Häufig handelt es sich um Konfliktsituationen wie Partnerschaftskonflikte, Trennungen, Todesfälle eines nahen Angehörigen, aber auch Mobbing am Arbeitsplatz. Wichtig ist, dass solche Situationen
Auslöser für die Krankheit sind und von daher auch eine völlige Ausheilung möglich ist. So können sich die Ultraschallveränderungen, die Antikörpertiter und auch die Funktionsstörungen anschließend völlig zurückbilden.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Wichtig ist die Untersuchung der Schilddrüse besonders auch bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch, weil Patienten mit Schilddrüsenautoimmunerkrankungen eine geringere Fertilität haben. Eine Zusammenarbeit mit dem Gynäkologen ist hier nötig.

Patienten, die eine Krebserkrankung überlebt haben und Ganzkörperbestrahlungen oder aggressive Chemotherapien bekommen haben, können im weiteren Leben eine Unterfunktion der SD entwickeln. Die Hämato-Onkologen haben in der Nachsorge für solche Komplikationen immer ein wachsames Auge. Herzrhythmusstörungen sind häufig durch eine Funktionsstörung der Schilddrüse bedingt, so ist insbesondere das Vorhofflimmern bei kardial vorgeschädigten Patienten häufig durch subtile
Veränderungen des TSH ausgelöst und können entsprechend durch SD-blockierende Medikamente behandelt werden. Hier ist also die Zusammenarbeit mit den Kardiologen gefragt.


Autor:

Prof. Dr. Christian WüsterProf. Dr. Christian Wüster
Facharzt für Innere Medizin/Endokrinologie
und Diabetologie, Osteologe DVO

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