MED Facharztzentrum
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Die Schilddrüse und das Herz

17. Sep 2012

Im höheren Alter ist eine Schilddrüsenüberfunktion häufig schwer zu entdecken. Oft ist sie mit einer Herzrhythmusstörung vergesellschaftet. Eine frühzeitige definitive Behandlung der Schilddrüse ist daher anzustreben.

Frau Keller hatte in letzter Zeit bemerkt, dass sie sich innerlich unruhig fühlte. In den letzten Jahren kämpfte sie immer wieder mit Gewichtsproblemen, seit kurzem musste sie auch Medikamente gegen hohen Blutdruck einnehmen.

Letzten Sonntag spürte sie plötzlich wie ihr Herz raste und ihr bis in den Hals schlug. Sie bekam keine Luft mehr und kollabierte. Ihr Mann rief den Rettungswagen, der sie in das Katholische Klinikum brachte. Dort wurde eine Herzrhythmusstörung, ein so genanntes Vorhofflimmern, festgestellt. Man spritzte Frau Keller Medikamente, die das Herz ruhiger schlagen ließen und gab ihr Tabletten. Ihr wurde eine Untersuchung bei einem Kardiologen, einem Spezialisten für Herzerkrankungen, empfohlen. So stellte sie sich bei der Kardiologin Frau Dr. Guth in der MED vor.

Frau Dr. Guth konnte die Herzrhythmusstörung, das Vorhofflimmern, bestätigen. Der Puls war Gott sei Dank nicht mehr beschleunigt und der Blutdruck war gut eingestellt. Das Herz zeigte keine Klappenfehler oder Zeichen einer Herzschwäche. Beim Ultraschall der Halsschlagadern fielen Frau Dr. Guth Knoten in der Schilddrüse auf, weshalb sie Frau Keller zu Herrn Prof. Wüster, einem Endokrinologen, schickte. Dieser untersuchte die Schilddrüse mit Ultraschall und Labor und schickte Frau Keller zu Herrn Dr. Vancura und Kollegen in den 2. Stock. Das dort angefertigte Szintigramm der Schilddrüse, eine nuklearmedizinische Untersuchung, zeigte einen so genannten heißen Knoten. Dieser produziert unabhängig von übergeordneten Regelmechanismen Schilddrüsenhormon. Zurück bei Prof. Wüster hatte dieser schon die Laborwerte, die eine Überfunktion der Schilddrüse zeigten. Frau Keller bekam Medikamente, die die Schilddrüsenhormonproduktion hemmten. Frau Dr. Guth und Herr Prof. Wüster besprachen sich über das weitere Vorgehen, Frau Keller erhielt zusätzlich ein blutverdünnendes Medikament (Marcumar).

Nach 4 Wochen stellte sich Frau Keller wieder bei Frau Dr. Guth vor. Diese stellte im EKG fest, dass das Herz jetzt regelmäßig schlug. Die Schilddrüsenhormonwerte lagen wieder im Normbereich. Die leichte Überfunktion der Schilddrüse war also die Ursache für die Herzrhythmusstörungen und den dadurch bedingten Kreislaufzusammenbruch gewesen.

Patienten, die zuviel Schilddrüsenhormon produzieren, entwickeln meist nur im jungen Alter das typische Vollbild einer Schilddrüsenüberfunktion mit Gewichtsabnahme, Schwitzen, Nervosität, Haarausfall, Durchfällen und Muskelschwäche. Im höheren Alter tritt häufig nur ein Symptom der Schilddrüsenüberfunktion auf.

Insbesondere bei Patienten mit vorgeschädigtem Herzen ist die Überfunktion der Schilddrüse mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Die Schilddrüse macht immer dann Probleme, wenn man es nicht gebrauchen kann.

Schilddrüse

Klassische Beispiele sind ein Unfall oder Magen-Darm- oder Gallenprobleme. Diese Patienten bekommen im Rahmen der radiologischen Abklärung jodhaltiges Kontrastmittel. Das Überangebot von Jod führt bei bestimmten Patienten zu einer Mehr- und Überproduktion von Schilddrüsenhormon mit dann entsprechenden Komplikationen.

Fazit: Im höheren Alter ist eine Schilddrüsenüberfunktion häufig schwer zu entdecken. Oft ist sie mit einer Herzrhythmusstörung vergesellschaftet. Eine frühzeitige definitive Behandlung der Schilddrüse, z. B. durch Radio-Jod-Therapie oder Operation, ist daher anzustreben.

Autoren:
Dr. Angelika Guth
Dr. Angelika Guth, MBA | Fachärztin für Innere Medizin/ Kardiologie, Notfallmedizin, Gesundheitsökonomin



Prof. Dr. Christian Wüster
Prof. Dr. Christian Wüster | Facharzt für Innere Medizin/Endokrinologie und Diabetologie, Osteologe DVO

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