MED in Mainz
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"Dicke Luft" Gefahr für die Lunge

20.09.2018

Der Deutsche Lungentag 2018 will mit seinem diesjährigen Motto „ Dicke Luft – Gefahr für die Lunge“ auf die schädlichen Auswirkungen auf unsere Lunge aufmerksam machen. Dazu gehören nicht nur die der Luftschadstoffe, sondern auch die Auswirkungen individueller Schadstoffexpositionen (wie z.B. das Rauchen) auf die Lunge.

Die Zentralveranstaltung findet am 29. September 2018 in Berlin in der Charité und in Rheinland-Pfalz im Tagungszentrum „Das Wormser“ in Worms bereits am Samstag, dem 22. September, statt:

Luftqualität intensiv diskutiert

Das Thema Luftverschmutzung und die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf den Menschen werden aktuell in der deutschen Bevölkerung als auch in den deutschen Medien viel und kontrovers diskutiert. Durch die Dieselabgas-Skandale der letzten Monate, mögliche Fahrverbote in Innenstädten, neue Daten zu Feinstaubbelastungen und die Diskussionen um die Schließung von veralteten Kraftwerken wird die Luftverschmutzung immer wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Andererseits fehlen aber seriöse Informationsangebote für die Bevölkerung, um die genauen Auswirkungen der Luftschadstoffe auf die Gesundheit und insbesondere auf die Lungengesundheit einschätzen zu können.

Was sagt die Wissenschaft?

Zum Thema Feinstaub gibt es 3 aktuelle große internationale Studien: Bei einer aktuellen Studie aus den USA wurden die aktuellen Grenzwerte für Luftschadstoffe wie Feinstaub oder Ozon infrage gestellt. Das Problem sind die Durchschnittswerte: Es hat sich gezeigt, dass eine geringfügige und auch nur kurzzeitige ansteigende Luftschadstoffbelastung unterhalb unserer bisherigen Grenzwerte der Gesundheit bereits schaden kann.

Des Weiteren hat sich gezeigt, dass sich auch durch gröbere Feinstaubpartikel mit einer Größe über 2,5 µm Durchmesser insbesondere
bei Kindern das Risiko von Asthma erhöhen kann. Bislang galten vor allem die kleineren Feinstaubpartikel als besonders gesundheitsgefährdend, da sie tiefer in die Lunge gelangen können.

Bei einer zweiten Studie aus London zeigte sich, dass insbesondere ältere Menschen zum Spazierengehen oder Joggen vielbefahrene Straßen meiden und Parks bevorzugen sollten, da die positiven Effekte von körperlicher Bewegung für die Gesundheit sonst durch die negativen Auswirkungen der Luftverschmutzung zunichte gemacht werden könnten: In der Studie unternahmen 120 Männer und Frauen 3-8 Wochen zweistündige Spaziergänge entweder an starkbefahrenen Straßen oder durch den grünen Hydepark. Die Hälfte war gesund, die andere Hälfte chronisch herz- oder lungenkrank. Nach dem Spaziergang durch den Park hatte sich die Lungenfunktion verbessert. Bei den bereits vorher erkrankten Personen verstärkten sich die Beschwerden wie Husten und Atemnot hingegen bei dem Spaziergang entlang der schadstoffbelasteten Straße. Da bei körperlicher Anstrengung mehr und tief eingeatmet wird, so dass ungefiltert Schadstoffe aufgenommen werden, kann der positive Effekt der körperlichen Aktivität wieder zunichte gemacht werden.

Die Schädlichkeit für die Gesundheit durch Abgase wurde in der europäischen Studie ESCAPE (European Study of Cohorts for Air Pollution Effects) untersucht. Dabei wurden gesunde Menschen einer erhöhten Konzentration von PM10-Feinstaubpartikeln ausgesetzt und nach 13 Jahren Beobachtungszeit sah man ein um 22% erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei den Nichtrauchern!

Die Feinstaub- und Stickstoffbelastung lässt sich bei Lungengesunden in der Lungenfunktion hingegen nicht nachweisen. Kleinkinder, Schwangere und Menschen mit chronischen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind durch diese besonders gefährdet. Im Vergleich zu den Stickoxiden und Ozon halten Experten den Feinstaub für den gefährlicheren Luftschadstoff. Die Ergebnisse der oben genannten ESCAPE- Studie erhärten den Verdacht, dass auch niedrige Werte gesundheitsschädlich sind.

Was kann ich für mich aus den drei Studien folgern?

Persönliche Konsequenzen aus den o.g. drei Studien könnten lauten, dass man Freizeit sport bevorzugt abseits des Straßenverkehrs betreibt und auch erholsame Spaziergänge nicht an Straßen sondern in Parks oder Wäldern durchführt. Des Weiteren sollte von den Seiten der Verkehrs- und Energiepolitik dafür gesorgt werden, insbesondere die Städte vor der zunehmenden Luftverschmutzung zu schützen. Und jeder sollte individuell sich fragen, wie er sich im Alltag fortbewegt.

Die Luftverschmutzung in Ballungsgebieten kann sich nach Ansicht der Lungenärzte durch eine Ausweitung der Umweltzonen und eine verbesserte Verkehrssituationsorganisation durch Vermeidung von Stop-and-Go-Verkehr reduzieren. Bei der zentralen Veranstaltung am 29.09.2018 in Berlin in der Charité sind neben Lungenexperten auch Politiker eingeladen, Interessierten einen Überblick über dieses Thema zu geben. Zudem ist ein Malwettbewerb für Kinder ausgeschrieben.

Schützen Sie Ihre Lunge – rundum!

Heute war mein Thema Feinstaub und Luftverschmutzung allgemein. Der deutsche Lungentag meint mit dem Thema „Dicke Luft – Gefahr für die Lunge“ aber neben dem so wichtigen Thema Umweltverschmutzung auch den Tabakrauch.

Heute nur wenige Sätze dazu: Vergleicht man die Feinstaubbelastung mit den Risiken des Zigarettenrauchens, so sind die des Rauchens etwa 1.000- (bis 10.000)-fach größer. Schauen Sie genau hin bei den Bildern auf Ihren Zigarettenschachteln und verdecken Sie sie nicht durch ein schickes Etui. Diese Fakten „Rauchen schädigt ihre Gesundheit“ sind durch abertausende Studien und leider viel zu viele traurige Patientenschicksale belegt.

Bleiben Sie gesund!

Feinstaub in Räumen:
In Wohnungen und Büros sollten die Feinstaubproduzenten Laserdrucker und Kopierer nur mit DGUV-Testzeichen oder dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ eingesetzt werden. Bei Druckern sollten die Tonerkatuschen ohne Berührung oder Einatmen des Pulvers gewechselt werden können. Optimalerweise sollten die Räume, in den Drucker stehen, gut belüftet werden oder in einem eigens dafür vorgesehenen Raum stehen.

Auch bei Thema Feinstaub in Innenräumen gilt: Der Passivrauch ist der gefährlichste Innenraumschadstoff: Er wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft und hat die Politik zum Schutz von Nichtraucher/innen, nichtrauchendem Personal in der Gastronomie, Kindern und Schwangeren zum Nichtraucherschutzgesetz 2007 veranlasst.

Feinstaub

Was ist eigentlich Feinstaub?
Feinstaub besteht aus einem komplexen Gemisch fester und flüssiger Partikel und wird abhängig von deren Größe in unterschiedliche Fraktionen eingeteilt. Unterschieden werden PM10 (PM, particulate matter) mit einem maximalen Durchmesser von 10 Mikrometer (µm), PM2,5 und ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 µm.Die Zusammensetzung dieses Gemischs spielt eine wichtige Rolle bei der Bewertung der gesundheitlichen Risiken.

Lungentagung

Dr Gillmann Blum
Dr. med. D. Gillmann-Blum

Lungenärztin
Pneumologische Gemeinschaftspraxis in der MED