MED Facharztzentrum
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Corona und das Herz

01. Nov 2020

Risiken, Symptome und Vorsorgemöglichkeiten.

Corona und das Herz

Frau Keller weiß nicht, was sie machen soll. Sie ist gar nicht mehr gut leistungsfähig, kommt leicht außer Atem und hat bei Belastung auch Druck auf der Brust.

Gestern ist der Druck sogar kurz in Ruhe aufgetreten. Sie ist sich nicht sicher, ob es eine Erkrankung des Herzens oder der Lunge ist oder vielleicht sogar eine Infektion mit dem neuen Coronavirus.

Sie möchte aber nicht gerne zum Arzt, weil sie Angst hat, sich spätestens dort mit dem neuen Coronavirus anzustecken. Sie hatte gehofft, dass die Beschwerden wieder weg gehen, aber es wird immer schlimmer und sie kann mittlerweile kaum noch die Treppen in die erste Etage zu ihrer Wohnung steigen. Was soll sie nur tun?

Wie gefährlich ist das Coronavirus im Vergleich mit Herz-Kreislauferkrankungen?

Grundsätzlich gilt: Trotz eines Rückgangs der Covid-19-Fälle in Deutschland ist weiterhin Vorsicht geboten. Es besteht jedoch kein Anlass zur Panik.

Die Sterblichkeit am Coronarvirus in Deutschland beträgt aktuell (Stand Juli 2020 vom Robert-Koch-Institut angegeben) rund 3,8%. Sie dürfte aber in Wahrheit deutlich geringer liegen, da es eine hohe Dunkelziffer von wenig symptomatischen und asymptomatischen Infizierten gibt, die in diese Berechnung nicht eingehen.

Wenn ein Mensch einen Herzinfarkt erleidet, überlebt er diesen mit einer Wahrscheinlichkeit von 40% nicht, ohne Behandlung liegt die Sterblichkeit noch höher. Ein Herzinfarkt ist damit mindestens 10 Mal so gefährlich wie eine Erkrankung am Coronavirus.

Viele Menschen machen sich im Moment große Sorgen über Gesundheitsgefahren. In den Medien ist das neue Coronavirus das beherrschende Thema. Leider gibt es aber unverändert darüber hinaus andere Erkrankungen, die dem Menschen gefährlich werden können, insbesondere Herz-Kreislauferkrankungen.

Wir versuchen, die wichtigsten Fragen rund um das Coronavirus und die Zusammenhänge mit Herz-Kreislauferkrankungen zu klären, damit auch Frau Keller Bescheid weiß und richtig handeln kann.

Wie kann ich mich mit dem Coronavirus anstecken?

Das Coronavirus wird von Mensch zu Mensch weitergegeben. Es besteht vermutlich eine Inkubationszeit (Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung) von im Mittel 5-6 Tagen.

Besonders ungünstig im Hinblick auf die Vermeidung von Infektionen ist, dass eine Ansteckung bei Erkrankten schon passieren kann, bevor diese etwas bemerken.

Es reicht also nicht aus, Kontakt mit offensichtlich Kranken zu vermeiden. Die Übertragung der Viren erfolgt vorwiegend über Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen und beim Gegenüber über die Schleimhäute der Nase, des Mundes und möglicherweise auch des Auges aufgenommen werden. Diese Infektionen können durch die Mund-Nasen-Maske zum großen Teil verhindert werden.

Eine Übertragung kann theoretisch auch indirekt durch kontaminierte Oberflächen insbesondere in der unmittel

Wann bin ich ein „Risikopatient“?

Menschen mit Herzerkrankungen oder anderen Risikofaktoren haben nicht ein höheres Risiko, sich mit dem Virus anzustecken. Sie haben aber ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, wenn sie sich mit dem Virus angesteckt haben.

Bei einer COVID-19-Erkrankung, wie die durch das Coronavirus ausgelöste Erkrankung offiziell heißt, betrifft dies insbesondere Patienten mit Lungenerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem kann durch COVID-19 auch eine Schädigung des Herzmuskels und darüber hinaus Gerinnselbildungen in Gefäßen von Herz und Lunge auftreten, was zu Herzinfarkten und Lungenembolien führt.

Generell stellen Infektionen eine zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar. Diese Zusatzarbeit kann ein durch Erkrankung geschwächtes Herz überfordern.

Das höchste Risiko für einen schweren Verlauf haben:

  • Atemwege (z. B. Lungenentzündung, Lungenemphysem, COPD, Hochdruck im Lungenkreislauf)

  • Patienten, die als Folge einer Herzerkrankung eine Funktionseinschränkung der Atemwege haben (z. B. Blutstauung im Lungenkreislauf als Folge der Herzschwäche)

  • Patienten, die sowohl eine Atemwegs- als auch eine Herzerkrankung haben (z. B. COPD und koronare Herzkrankheit)

  • Patienten, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen (z. B. nach Herztransplantation oder Verpflanzung eines anderen Organs)

Ein hohes Risiko haben:

  • Patienten mit relevanter (hochgradiger, symptomatischer) Herzklappenerkrankung
  • Patienten mit koronarer Herzerkrankung (insbesondere in den ersten 3 Monaten nach Herzinfarkt, Stentimplantation und Bypass-Operation)

  • Patienten mit stattgehabter Thrombose und / oder Lungenembolie (insbesondere in den ersten 3 Monaten nach dem Ereignis)

Das Risiko wird durch folgende Zusatzfaktoren erhöht:

  • Höheres Alter (das Risiko steigt ab dem Alter von 50 kontinuierlich an)

  • Bluthochdruck

  • Zuckerkrankheit

Bei diesen Herzerkrankungen ist nach aktuellem Wissensstand das Risiko nicht erhöht bzw. unklar:

  • Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern

  • Herzschrittmacherträger

  • Folgenlos abgeheilte Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung

Tipp:

Fragen Sie im Zweifel ihren behandelnden Arzt, ob Sie zur Hochrisiko-Gruppe gehören und ob Sie spezielle Maßnahmen ergreifen müssen.

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